Reitlehre · Theorie für Reitabzeichen

Hufschlag­figuren und Bahn­figuren erklärt

Stand: 2. Oktober 2026

„Hufschlag“ ist zuerst ein Wort aus der Reitbahn: die Spur entlang der Bande. Hier findest du die wichtigsten Hufschlag- und Bahnfiguren mit eigenen Skizzen – vom Reitviereck mit seinen Bahnpunkten über Zirkel und Volte bis zu den Schlangenlinien.

So liest du die Skizzen: A liegt immer oben, C unten. Der runde Punkt zeigt, wo die Linie beginnt, die Pfeilspitze die Richtung. Die Maße sind schematisch.

Das Reitviereck: 20 × 40 und 20 × 60 m

Das kleine Viereck ist 20 m breit und 40 m lang, das große 20 m breit und 60 m lang. Die Buchstaben am Rand heißen Bahnpunkte. Sie legen fest, wo eine Figur beginnt, wo du abwendest oder wo ein Übergang verlangt wird. Sie sind Orientierung für dich, nicht für das Pferd.

  • A und C liegen in der Mitte der beiden kurzen Seiten. Bei A wird üblicherweise in eine Dressuraufgabe eingeritten.
  • B und E liegen in der Mitte der langen Seiten.
  • F, K, M und H sind die Wechselpunkte, jeweils 6 m von den Ecken entfernt.
  • D, X und G sind gedachte Punkte auf der Mittellinie von A nach C. X ist der Mittelpunkt des Vierecks und liegt zugleich auf der Verbindung zwischen B und E.

Wer bei A einreitet und Richtung C blickt, hat K, E und H zur Linken und F, B und M zur Rechten. Im großen Viereck kommen an jeder langen Seite zwei Punkte hinzu: V und S auf der Seite von K, E und H, P und R auf der Seite von F, B und M. Die Punkte an den langen Seiten liegen dort jeweils 12 m auseinander. Auf der Mittellinie folgen von A nach C D, L, X, I und G.

Skizze: Reitviereck 20 × 40 Meter mit den Bahnpunkten A, K, E, H, C, M, B, F am Rand und D, X, G auf der Mittellinie A C F K B E M H D X G
Kleines Viereck, 20 × 40 m
Skizze: Reitviereck 20 × 60 Meter mit den zusätzlichen Bahnpunkten V, S, P und R am Rand sowie L und I auf der Mittellinie A C F K P V B E R S M H D L X I G
Großes Viereck, 20 × 60 m

Hufschlag, Hand und Ecken

Erster und zweiter Hufschlag

Der Hufschlag ist die Spur, auf der die Pferde an der Bande entlanggehen; diese äußere Spur ist der erste Hufschlag. Ein Stück weiter innen, parallel dazu, liegen der zweite und der dritte Hufschlag. Beginnt oder endet eine Figur „auf dem Hufschlag“, ist die Spur an der Bande gemeint.

Wer Schritt reitet, eine Pause macht oder hält, gibt den ersten Hufschlag für trabende und galoppierende Reiter frei und weicht auf den zweiten oder dritten Hufschlag aus.

Wer hat Vorrang?

  • Ganze Bahn geht vor Zirkel: Wer auf dem Zirkel reitet, macht dem Reiter auf der ganzen Bahn den Hufschlag frei.
  • Begegnung: Reiten zwei Reiter auf verschiedenen Händen aufeinander zu, wird rechts ausgewichen. Wer auf der linken Hand reitet, bleibt auf dem Hufschlag.
  • Abstand und Überholen: Zum Vordermann hältst du mindestens eine Pferdelänge Abstand, etwa 2,5 m. Überholt wird innen, zur Bahnmitte hin.
  • Halten und Aufsitzen: Aufsitzen, Absitzen und Nachgurten gehören in die Zirkelmitte oder auf die Mittellinie, nicht auf den Hufschlag.

Linke und rechte Hand

Auf der linken Hand zeigt deine linke Seite zur Bahnmitte, auf der rechten Hand die rechte. Ein Handwechsel ändert die Bewegungsrichtung; danach liegt die andere Seite des Pferdes innen. So werden beide Seiten gleichmäßig gearbeitet.

Ecken

Ecken reitest du wie ein Viertel einer Volte, die zum Ausbildungsstand des Pferdes passt – nicht spitz hinein. Sonst verliert das Pferd Gleichgewicht und Takt.

Ganze Bahn und halbe Bahn

Ganze Bahn

Du reitest auf dem Hufschlag an allen vier Seiten entlang. Die ganze Bahn ist die Grundlinie, von der aus viele andere Figuren beginnen. In der Skizze sind die Ecken als Teil einer Volte abgerundet.

Skizze: ganze Bahn, Linie von A auf dem Hufschlag an allen vier Seiten entlang mit abgerundeten Ecken A C F K B E M H D X G
Ganze Bahn

Halbe Bahn

Du umrundest nur eine Hälfte des Vierecks. Auf Höhe von B und E wendest du ab und reitest quer hinüber zur anderen langen Seite; diese Linie schließt die Hälfte ab. Die Skizze zeigt die Hälfte an der A-Seite: von A über K bis E, quer hinüber nach B und über F zurück zu A.

Skizze: halbe Bahn an der A-Seite, von A über K bis E, quer hinüber nach B und über F zurück A C F K B E M H D X G
Halbe Bahn

Handwechsel auf geraden Linien

Durch die ganze Bahn wechseln

Nach der Ecke wendest du am ersten Wechselpunkt der langen Seite ab und reitest auf gerader Linie über X zum diagonal gegenüberliegenden Wechselpunkt, zum Beispiel von M nach K oder von H nach F. Diese Linie heißt auch lange Diagonale. Dort kommst du auf der anderen Hand wieder auf dem Hufschlag an.

Skizze: durch die ganze Bahn wechseln, gerade Linie von M über X nach K, danach weiter Richtung A A C F K B E M H D X G
Durch die ganze Bahn wechseln: M – X – K

Durch die halbe Bahn wechseln

Vom Wechselpunkt nach der Ecke führt die Linie schräg zur Mitte der gegenüberliegenden langen Seite: etwa von M nach E, von H nach B, von F nach E oder von K nach B. Diese Linie heißt auch kurze Diagonale. An der Mitte der langen Seite kommst du auf der anderen Hand auf dem Hufschlag an.

Skizze: durch die halbe Bahn wechseln, schräge Linie von M zur Mitte der gegenüberliegenden langen Seite bei E A C F K B E M H D X G
Durch die halbe Bahn wechseln: M – E

Durch die Länge der Bahn

An der Mitte der kurzen Seite wendest du auf die Mittellinie ab und reitest geradeaus über X bis zur Mitte der anderen kurzen Seite. Wendest du dort zur selben Seite ab wie vorher, bleibst du auf derselben Hand. In der Skizze: von F über A und C weiter Richtung M.

Skizze: durch die Länge der Bahn, von F über A auf der Mittellinie bis C und dort weiter Richtung M A C F K B E M H D X G
Durch die Länge der Bahn: F – A – C – M

Durch die Länge der Bahn wechseln

Dieselbe Linie über die Mittellinie, aber am Ende wendest du zur anderen Seite ab. Damit wechselst du die Hand, deshalb gehört „wechseln“ zum Namen. In der Skizze: von F über A und C weiter Richtung H.

Skizze: durch die Länge der Bahn wechseln, von F über A auf der Mittellinie bis C und dort weiter Richtung H A C F K B E M H D X G
Durch die Länge der Bahn wechseln: F – A – C – H

Zirkel und Zirkelwechsel

Zirkel

Ein Kreis, dessen Durchmesser der Bahnbreite entspricht – im 20 m breiten Viereck also 20 m. Ein Zirkel an der kurzen Seite berührt diese kurze Seite und beide langen Seiten an je einem Punkt.

Skizze: Zirkel mit 20 Meter Durchmesser an der kurzen Seite bei A A C F K B E M H D X G
Zirkel an der A-Seite

Mittelzirkel

Der Mittelzirkel liegt in der Mitte der Bahn um X und berührt beide langen Seiten, bei B und E. Auch er nutzt die volle Bahnbreite von 20 m.

Skizze: Mittelzirkel um X, er berührt die langen Seiten bei B und E A C F K B E M H D X G
Mittelzirkel um X

Aus dem Zirkel wechseln

Du wechselst vom einen Zirkel auf einen anderen und damit die Hand. Im 20 × 40 m Viereck berühren sich die beiden Zirkel an den kurzen Seiten bei X: Dort reitest du ein kurzes Stück geradeaus, parallel zur kurzen Seite, stellst dabei das Pferd um und setzt die Linie auf dem anderen Zirkel fort.

Skizze: aus dem Zirkel wechseln, vom Zirkel an der A-Seite bei X kurz geradeaus auf den Zirkel an der C-Seite A C F K B E M H D X G
Aus dem Zirkel wechseln (über X)

Durch den Zirkel wechseln

Du bleibst auf demselben Zirkel und wechselst innerhalb davon die Hand. Am Zirkelpunkt an der langen Seite wendest du ab und reitest zwei halbe Volten, die sich im Mittelpunkt des Zirkels treffen – eine S-Linie. Beim Überreiten der Mittellinie stellst du das Pferd um und reitest auf der neuen Hand zum gegenüberliegenden Zirkelpunkt.

Zum Merken: Aus dem Zirkel wechseln führt auf einen anderen Zirkel (im 20 × 40 m Viereck über X), durch den Zirkel wechseln bleibt im selben.

Skizze: durch den Zirkel wechseln, S-Linie aus zwei halben Volten durch den Mittelpunkt desselben Zirkels A C F K B E M H D X G
Durch den Zirkel wechseln (S-Linie)

Volte, Kehrtvolte und aus der Ecke kehrt

Volte

Eine Volte ist ein kleiner Kreis von etwa 6 bis 10 m Durchmesser. Sie beginnt und endet auf dem Hufschlag und verlangt mehr Biegung als der Zirkel. Die Skizze zeigt eine Volte mit 10 m Durchmesser an der langen Seite.

Skizze: Volte mit 10 Meter Durchmesser an der langen Seite, Beginn und Ende auf dem Hufschlag A C F K B E M H D X G
Volte (10 m) an der langen Seite

Kehrtvolte

Die Kehrtvolte beginnt wie eine Volte. Vom Punkt des Bogens, der am weitesten vom Hufschlag entfernt ist, führt eine schräge Gerade zurück auf denselben Hufschlag. Danach reitest du in Gegenrichtung weiter, also auf der anderen Hand. Die Kehrtvolte kann an beliebiger Stelle geritten werden, meist an der langen Seite.

Skizze: Kehrtvolte an der langen Seite, halbe Volte und schräge Gerade zurück auf den Hufschlag in Gegenrichtung A C F K B E M H D X G
Kehrtvolte

Aus der Ecke kehrt

In der Ausführung gleich wie die Kehrtvolte, aber aus der zweiten Ecke der langen Seite: Aus der Ecke heraus reitest du eine halbe Volte und kehrst auf schräger Geraden auf dieselbe lange Seite zurück. Auch hier wechselst du die Hand.

Skizze: aus der Ecke kehrt, halbe Volte aus der zweiten Ecke der langen Seite und schräge Gerade zurück auf dieselbe lange Seite A C F K B E M H D X G
Aus der Ecke kehrt

Schlangenlinien

Einfache Schlangenlinie an der langen Seite

Nach der Ecke verlässt du am Wechselpunkt den Hufschlag und reitest einen flachen Bogen in die Bahn hinein. Der Scheitelpunkt liegt auf Höhe der Mitte der langen Seite, etwa 5 m vom Hufschlag entfernt; am nächsten Wechselpunkt bist du wieder auf dem Hufschlag. Die Hand wird nicht gewechselt.

Skizze: einfache Schlangenlinie an der langen Seite, ein flacher Bogen von K bis H mit dem Scheitel bei E, etwa 5 Meter vom Hufschlag A C F K B E M H D X G
Einfache Schlangenlinie: ein Bogen, etwa 5 m

Doppelte Schlangenlinie an der langen Seite

Zwei gleich große, flache Bögen an derselben langen Seite: vom Wechselpunkt nach der Ecke in den ersten Bogen, an der Mitte der langen Seite zurück an den Hufschlag und im zweiten Bogen bis zum nächsten Wechselpunkt. Die beiden Scheitelpunkte liegen etwa 2,5 m vom Hufschlag entfernt, jeweils ungefähr auf halber Strecke zwischen Wechselpunkt und Mitte der langen Seite. Auch hier bleibt die Hand gleich.

Skizze: doppelte Schlangenlinie an der langen Seite, zwei flache Bögen von K bis E und von E bis H, je etwa 2,5 Meter vom Hufschlag A C F K B E M H D X G
Doppelte Schlangenlinie: zwei Bögen, etwa 2,5 m

Schlangenlinie durch die ganze Bahn

Sie beginnt in der Mitte der einen kurzen Seite und endet in der Mitte der anderen. Dazwischen liegen gleich große Bögen, die abwechselnd die beiden langen Seiten berühren; zwischen zwei Bögen kreuzt jeweils eine kurze Gerade die Mittellinie im rechten Winkel. Wie viele Bögen du reitest, ist vorgegeben – im 20 × 40 m Viereck zum Beispiel drei oder vier, im 20 × 60 m Viereck zum Beispiel sechs. Je mehr Bögen, desto enger werden sie.

Skizze: Schlangenlinie durch die ganze Bahn mit drei gleich großen Bögen von A nach C im Viereck 20 × 40 Meter A C F K B E M H D X G
Drei Bögen, 20 × 40 m
Skizze: Schlangenlinie durch die ganze Bahn mit vier gleich großen Bögen von A nach C im Viereck 20 × 40 Meter A C F K B E M H D X G
Vier Bögen, 20 × 40 m
Skizze: Schlangenlinie durch die ganze Bahn mit sechs gleich großen Bögen von A nach C im Viereck 20 × 60 Meter A C F K P V B E R S M H D L X I G
Sechs Bögen, 20 × 60 m

Auf einen Blick: Wird die Hand gewechselt?

Handwechsel bei den Figuren dieser Seite
FigurHandwechsel
Ganze Bahn, halbe Bahnnein
Durch die ganze Bahn wechselnja
Durch die halbe Bahn wechselnja
Durch die Länge der Bahnnein
Durch die Länge der Bahn wechselnja
Zirkel, Mittelzirkel, Voltenein
Aus dem Zirkel wechselnja
Durch den Zirkel wechselnja
Kehrtvolte, aus der Ecke kehrtja
Einfache und doppelte Schlangenlinie an der langen Seitenein
Schlangenlinie durch die ganze Bahnhängt von der Zahl der Bögen ab

Diese Seite ist eine eigene, vereinfachte Darstellung von Hufschlag und keine offizielle Veröffentlichung eines Verbands oder einer Prüfungsorganisation. Maßgeblich für Unterricht und Prüfung sind deine Ausbilderin oder dein Ausbilder und die zuständige Prüfungsstelle. Alle Skizzen sind eigene Zeichnungen.