Fütterung · Pferdewissen
Wie viel Heu braucht ein Pferd pro Tag?
Stand: 13. Oktober 2026
Ein Pferd sollte täglich mindestens rund 1,5 kg Raufutter-Trockenmasse je 100 kg Körpergewicht bekommen. In Heu gerechnet sind das etwa 1,7 kg je 100 kg, bei einem Pferd mit 500 kg also rund 8,5 kg am Tag.
Hier siehst du, wie du für dein Pferd rechnest, was bei Heulage und Stroh gilt, warum die Verteilung über den Tag zählt und woran du gutes Heu erkennst. Die Zahlen sind Mindestmengen für gesunde Pferde und Ponys, keine Futterpläne. Hufschlag ist eine unabhängige Lern-App und ersetzt keine Fütterungsberatung durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt.
So rechnest du die Mindestmenge
Die Mindestmenge richtet sich nach dem Körpergewicht. Du teilst das Gewicht durch 100 und multiplizierst mit 1,7. Bei 500 kg ergibt das 500 ÷ 100 × 1,7 = 8,5 kg Heu am Tag. Nach der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig gilt die Rechnung für Pferde und Ponys gleichermaßen. Sie gilt für die gesamte Raufuttermenge: Gras von der Weide und anderes Raufutter zählt mit, die Heumenge in der Tabelle gilt nur, wenn Heu das ganze Raufutter ist.
| Körpergewicht | Raufutter-Trockenmasse | Heu | Heulage (Richtwert, rund 75 % Trockenmasse) |
|---|---|---|---|
| 300 kg | 4,5 kg | 5,1 kg | 6 kg |
| 400 kg | 6 kg | 6,8 kg | 8 kg |
| 500 kg | 7,5 kg | 8,5 kg | 10 kg |
| 600 kg | 9 kg | 10,2 kg | 12 kg |
Wichtig: Die 1,5 kg beziehen sich auf die Trockenmasse, nicht auf Heu, wie es auf der Waage liegt. Heu enthält noch Wasser, deshalb sind es in Heu gerechnet etwa 1,7 kg. Wer vereinfacht mit „1,5 kg Heu“ rechnet, liegt etwas darunter: Bei 600 kg wären das 9 kg statt 10,2 kg. Die Heu-Spalte rechnet mit rund 86 Prozent Trockenmasse im Heu (1,5 ÷ 0,86 ≈ 1,7), ein gerundeter Richtwert: Bei sehr feuchtem oder sehr trockenem Heu weicht die Menge ab. Bei Heulage hängt alles vom Trockenmassegehalt ab, denn Frischmasse = Trockenmasse ÷ Trockenmasseanteil. Die Tabelle rechnet mit 2 kg je 100 kg (etwa 75 Prozent Trockenmasse); bei 65 Prozent sind es rund 2,3 kg, bei 600 kg also etwa 14 statt 12 kg.
Ein Europäisches Konsensuspapier der Pferdeinternisten (ECEIM) nennt für Pferde, die Heu fressen, dieselbe Untergrenze von 1,5 kg Trockenmasse je 100 kg Körpergewicht und Tag. Laut der Leipziger Empfehlung sollen diese Mengen die Pferde mit dem Fressen beschäftigen und der Verdauung guttun. Wie viel dein Pferd darüber hinaus bekommt, hängt von seinem Gewicht, seiner Arbeit und seiner Futterverwertung ab.
Heu, Heulage, Stroh: Was zählt als Raufutter?
Zum Raufutter zählen Heu, Stroh und Weidegras. Es ist die Hauptnahrung des Pferdes, denn das Pferd ist ein Dauerfresser. Die Mindestmenge lässt sich mit Heu, Heulage oder einer Mischung decken, die Mengen unterscheiden sich aber:
- Heu: etwa 1,7 kg je 100 kg Körpergewicht. Eine Auswertung der Hochschule Osnabrück rechnet mit Heu aus rund 86 Prozent Trockenmasse und kommt bei einem Pferd mit 600 kg auf etwa 10 kg Heu am Tag.
- Heulage: Sie ist feuchter als Heu, deshalb brauchst du mehr Frischmasse für dieselbe Trockenmasse. Die Universität Leipzig nennt rund 2 kg Heulage je 100 kg, die Hochschule Osnabrück rechnet bei 65 Prozent Trockenmasse mit etwa 2,3 kg. Je feuchter die Heulage, desto mehr brauchst du; den Trockenmassegehalt kennst du aus der Analyse oder vom Lieferanten.
- Stroh: Es kann einen Teil des Raufutters ersetzen, aber nicht alles. Für leichtfuttrige und übergewichtige Pferde nennt die Universität Leipzig bis zu 30 bis 40 Prozent des Raufutters, und zwar als Getreidestroh. Ihre Bedingungen: langsam gewöhnen, weil Stroh Verstopfungskoliken auslösen kann, möglichst mit Heu oder Heulage gemischt füttern, ausreichend Bewegung und jederzeit Wasser. Stroh enthält deutlich weniger Energie und Eiweiß als Heu, daher können Ergänzungen nötig sein. Eine Fütterung nur mit Stroh ist nach einem Merkblatt des Landkreises Uelzen nicht bedarfsgerecht.
Warum Heu über den Tag verteilt gehört
Das Pferd ist ein Steppentier und unter natürlichen Bedingungen einen großen Teil des Tages mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt. Dazu passt sein Verdauungssystem: Unter den Bedingungen, an die sich Pferde angepasst haben, dem ständigen Grasen, ist der Magen nie leer, und auch ein leerer Magen bildet weiter Magensäure. Der Speichel, der beim Kauen entsteht, puffert die Säure ab. Lange Pausen ohne Raufutter belasten deshalb die Magenschleimhaut.
Veterinärämter nennen darum in Merkblättern, ausgehend vom Tierschutzgesetz, das eine der Art und den Bedürfnissen entsprechende, angemessene Ernährung verlangt (§ 2 Nr. 1 TierSchG), zwei Anforderungen: Ein Pferd soll täglich mindestens zwölf Stunden Zugang zu Raufutter haben, und Fresspausen von mehr als vier Stunden sollen vermieden werden.
Gibt es keinen Weidegang, nennt das europäische Konsensuspapier Heu zur freien Verfügung oder mindestens vier bis sechs Mahlzeiten am Tag als mögliche Lösung. Es räumt ein, dass die Belege dafür teils widersprüchlich sind. Beobachtet wurde, dass größere Abstände zwischen den Raufuttermahlzeiten (mehr als sechs Stunden) die Wahrscheinlichkeit von Schäden an der Magenschleimhaut erhöhten. Auch zur Reihenfolge gibt es einen Hinweis: Bekommt ein Pferd Kraftfutter, gehört das Raufutter davor. In einer Studie, die das Konsensuspapier nennt, nahmen Magenschleimhautschäden bei Pferden im Stall ohne Arbeit deutlich zu, wenn sie Kraftfutter in Höhe von einem Prozent ihres Körpergewichts eine Stunde vor dem Heu bekamen.
Wann das Minimum nicht die richtige Menge ist
- Das Minimum ist die Untergrenze: Die Universität Leipzig rät, Heu oder Heulage leistungsangepasst zuzuteilen, damit Pferde nicht mehr fressen als nötig. Bei leichtfuttrigen Pferden und Ponys rät sie von freiem Zugang ab.
- Auch bei Übergewicht nicht unter das Minimum: Das Konsensuspapier empfiehlt für übergewichtige Pferde mit Risiko für Magengeschwüre trotzdem mindestens 1,5 kg Trockenmasse je 100 kg, in einer reifen, energiearmen Qualität. Beim Stroh unterscheiden sich die Quellen: Das Konsensuspapier nennt für Pferde mit Magengeschwür-Risiko Stroh nur als Beimischung unter 0,25 kg Trockenmasse je 100 kg, nie als einziges Raufutter, während die Universität Leipzig für übergewichtige Pferde ohne diesen Zusatz bis zu 30 bis 40 Prozent nennt. Welcher Anteil passt, klärst du daher mit der Tierärztin oder dem Tierarzt.
- Bei kranken Pferden: Die Universität Leipzig weist darauf hin, dass bei kranken Pferden vielfach eine gezielte Fütterungsempfehlung nötig ist. Wenn du unsicher bist, frag deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.
Gutes Heu erkennen
Die Menge allein sagt wenig, wenn das Heu schlecht ist. Das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Eifel (DLR) beschreibt gutes Heu so:
- Farbe: hell- bis dunkelgrün, ohne dunkle Verfärbungen, die auf Verderb hinweisen.
- Griff: weich und nicht zu grob. Je weicher das Heu, desto höher der Blattanteil.
- Geruch: aromatisch, nicht muffig. Muffiger Geruch deutet auf mikrobiellen Verderb oder falsche Lagerung hin.
- Staub: beim Aufschütteln soll im Idealfall kaum Staub entstehen.
Staubiges, muffiges oder schimmeliges Heu verfütterst du nicht. Verpilztes Heu kann die Schleimhäute der Lunge reizen und Husten und Allergien begünstigen; belastetes Heu kann auch den Darm reizen. Milben und Hefen im Heu können nach dem DLR zu Koliken beitragen. Eine Laboranalyse durch ein zertifiziertes Labor ist besser als die Prüfung mit den Sinnen.
Heu und Fütterung üben
Fütterung und Heuqualität gehören zur Theorie des Pferdeführerscheins Umgang und der Reitabzeichen. Die Frage hinter dieser Seite beantwortet auch unser Erklärvideo Wie viel Heu braucht ein Pferd? Die Raufutter-Faustregel; eine weitere kurze Frage steht bei Woraus besteht die Hauptnahrung des Pferdes?. Im ersten Video steht die Faustregel vereinfacht als 1,5 kg Heu je 100 kg; die genauere Rechnung steht oben.
Die folgende Frage stammt aus der App Hufschlag (Stufe Reitabzeichen 6). Wir haben sie selbst geschrieben; es ist eine Übungsfrage, keine echte Prüfungsfrage. Wähle eine Antwort, dann siehst du, ob sie stimmt. Die Erklärung kannst du jederzeit aufklappen.
Reitabzeichen 6 · Übungsfrage
Antwort und Erklärung ansehen
Es ist staubig, muffig oder schimmelig
Staubiges, muffig riechendes oder gar schimmeliges Heu kann die Atemwege schädigen und Koliken auslösen. Gutes Heu riecht aromatisch, ist trocken und frei von Schimmel.
Eigene Übungsfrage aus Hufschlag · keine echte Prüfungsfrage
In Hufschlag übst du nach Stufen: Für jedes Reitabzeichen von 10 bis 5 gibt es einen eigenen Bereich mit Übungsfragen, und zu jeder Frage bekommst du eine Erklärung. Das Reitabzeichen 10 ist kostenlos; die Stufen 9 bis 5 schaltet Komplett mit einem einmaligen Kauf frei.
Häufige Fragen zur Heumenge
Wie viel Heu braucht ein Pferd pro Tag?
Mindestens rund 1,5 kg Raufutter-Trockenmasse je 100 kg Körpergewicht, in Heu gerechnet etwa 1,7 kg je 100 kg. Bei einem Pferd mit 500 kg sind das rund 8,5 kg Heu am Tag, wenn Heu das ganze Raufutter ist. Das ist eine Mindestmenge: Wie viel dein Pferd tatsächlich bekommt, hängt von Gewicht, Arbeit und Futterverwertung ab.
Wie viel Heu braucht ein Pony?
Für Ponys gilt dieselbe Rechnung wie für Pferde, bezogen auf das Körpergewicht: mindestens etwa 1,7 kg Heu je 100 kg. Ein Pony mit 300 kg braucht danach mindestens rund 5,1 kg Heu am Tag, wenn Heu sein ganzes Raufutter ist. Bei leichtfuttrigen Ponys rät die Universität Leipzig von freiem Zugang ab; ihre Menge wird zugeteilt.
Wie oft am Tag sollte ein Pferd Heu bekommen?
Möglichst über den Tag verteilt. Veterinärämter nennen in Merkblättern als Anforderung, dass ein Pferd täglich mindestens zwölf Stunden Zugang zu Raufutter hat und Fresspausen von mehr als vier Stunden vermieden werden. Gibt es keinen Weidegang, nennt ein europäisches Konsensuspapier der Pferdeinternisten Heu zur freien Verfügung oder mindestens vier bis sechs Mahlzeiten am Tag als mögliche Lösung.
Kann ein Pferd Heu nach Belieben bekommen?
Das hängt vom Pferd ab. Für Pferde ohne Weidegang nennt das europäische Konsensuspapier freie Verfügung oder mindestens vier bis sechs Mahlzeiten täglich, räumt aber ein, dass die Belege nicht eindeutig sind. Bei leichtfuttrigen Pferden und Ponys rät die Universität Leipzig von freiem Zugang ab, weil mehr gefressen wird als nötig. Frag im Zweifel deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.
Kann Stroh das Heu ersetzen?
Nur zum Teil. Die Universität Leipzig nennt für leichtfuttrige und übergewichtige Pferde einen Anteil von bis zu 30 bis 40 Prozent Getreidestroh am Raufutter und rät, Pferde langsam daran zu gewöhnen, es mit Heu zu mischen und für Bewegung und Wasser zu sorgen, weil Stroh Verstopfungskoliken auslösen kann. Eine Fütterung nur mit Stroh ist nach einem Merkblatt des Landkreises Uelzen nicht bedarfsgerecht.
Woran erkenne ich gutes Heu?
Gutes Heu ist hell- bis dunkelgrün, ohne dunkle Verfärbungen, fühlt sich weich an, riecht aromatisch und nicht muffig und staubt beim Aufschütteln kaum. Muffiger Geruch deutet auf Verderb oder falsche Lagerung hin. Eine Laboranalyse sagt mehr als die Prüfung mit den Sinnen.
Quellen
Diese Seite beruht auf den folgenden Quellen, die wir am 13. Oktober 2026 gelesen haben. Die Texte sind eigene Formulierungen von Hufschlag.
- Vervuert, Bockisch (Universität Leipzig, Veterinärmedizinische Fakultät): Positionspapier zur Raufutterversorgung bei knappen Vorräten (2018)
- Sykes u. a. (ECEIM): Konsensuspapier der europäischen Pferdeinternisten zum Magengeschwür-Syndrom erwachsener Pferde, Journal of Veterinary Internal Medicine 29 (2015), englisch
- Severit u. a. (Hochschule Osnabrück, Tierernährung): Situationsanalyse zur Grobfutterversorgung von Pferden (2024)
- Schoenen, Priesmann (DLR Eifel): Artikel zur Heuqualität, Teil 1, Mikrobiologie (2023)
- Landkreis Stade: Merkblatt zu Mindestanforderungen in der Pferdehaltung (2025)
- Landkreis Uelzen, Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt: Merkblatt zur Pferdehaltung
- Share, Mastellar, Zynda (Ohio State University Extension): The Gastrointestinal Tract of the Horse (AS-1022)
- Tierschutzgesetz, § 2 (Gesetze im Internet)
Diese Seite ist eine eigene, vereinfachte Darstellung von Hufschlag und keine offizielle Veröffentlichung eines Verbands, keine Fütterungs- oder Tierarztberatung. Die Mengen sind Mindestwerte für gesunde Pferde und Ponys; die Ration deines Pferdes bespricht du mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt. Die Übungsfragen sind eigene Fragen von Hufschlag, keine Prüfungsfragen.