Reitlehre · Theorie für Reitabzeichen
Gangarten des Pferdes: Schritt, Trab und Galopp
Stand: 5. Oktober 2026
Die Gangarten des Pferdes sind Schritt, Trab und Galopp. Der Schritt ist ein Viertakt ohne Schwebephase, der Trab ein Zweitakt mit diagonalen Beinpaaren und der Galopp ein Dreitakt mit Schwebephase. Hier siehst du die Fußfolge jeder Gangart als eigene Skizze und erfährst, woran du Rechts- und Linksgalopp, Takt und Tempi erkennst.
So liest du die Skizzen: Jede Zeile steht für ein Bein, die Zeit läuft von links nach rechts. Ein Punkt zeigt, wann der Huf auffußt; die Zahl darüber ist der Takt. Ein Strich verbindet Beine, die gleichzeitig auffußen. Die Skizzen zeigen nur die Reihenfolge des Auffußens, nicht wie lange ein Huf am Boden bleibt.
Die drei Grundgangarten im Überblick
Schritt, Trab und Galopp sind die drei Grundgangarten. Die Beschreibungen, die Tabelle und die Skizzen auf dieser Seite zeigen ihren idealtypischen Ablauf, wie ihn die Reitlehre beschreibt. Unterscheiden lassen sie sich am besten am Takt: Wie viele Hufschläge hörst du, bis sich die Bewegung wiederholt? Im Schritt sind es vier, im Trab zwei, im Galopp drei. Dazu kommt die Schwebephase, der kurze Moment, in dem kein Huf den Boden berührt. Trab und Galopp haben sie, der Schritt nicht.
| Gangart | Takt | Schwebephase | Fußfolge |
|---|---|---|---|
| Schritt | Viertakt | nein | links hinten – links vorn – rechts hinten – rechts vorn |
| Trab | Zweitakt | ja, zwei je Bewegungsablauf | rechts vorn und links hinten gleichzeitig – Schwebephase – links vorn und rechts hinten gleichzeitig – Schwebephase |
| Galopp | Dreitakt | ja, eine je Galoppsprung | links hinten – rechts hinten und links vorn gleichzeitig – rechts vorn – Schwebephase (Rechtsgalopp) |
Gangpferde wie das Islandpferd zeigen zusätzlich den Tölt, eine Gangart im Viertakt. Um diese besonderen Gangarten geht es hier nicht, sondern um die drei Grundgangarten.
Schritt: Viertakt ohne Schwebephase
Der Schritt ist ein Viertakt: Jeder Huf fußt einzeln auf, du hörst vier getrennte Hufschläge. Weil dabei mindestens ein Huf am Boden ist, hat der Schritt keine Schwebephase – er ist die ruhigste Grundgangart.
Die Fußfolge heißt lateral-diagonal: Auf ein Hinterbein folgt das Vorderbein derselben Seite, danach das Hinterbein der anderen Seite. Beginnst du links hinten zu zählen, lautet die Folge links hinten – links vorn – rechts hinten – rechts vorn. Danach beginnt der nächste Ablauf wieder links hinten. Mit welchem Bein du zu zählen anfängst, ist nur eine Frage des Startpunkts; die Reihenfolge im Kreislauf bleibt gleich.
- links hinten
- links vorn
- rechts hinten
- rechts vorn
Trab: Zweitakt mit diagonalen Beinpaaren
Der Trab ist ein Zweitakt. Im taktreinen Trab fußen die Beine paarweise auf, und zwar diagonal: rechts vorn zusammen mit links hinten, dann links vorn zusammen mit rechts hinten. Jedes Beinpaar ergibt einen Hufschlag, deshalb hörst du zwei Takte.
Zwischen dem Abfußen der einen und dem Auffußen der anderen Diagonale hat das Pferd keinen Bodenkontakt. Im idealtypischen Ablauf gibt es also je Bewegungsablauf zwei kurze Schwebephasen. Die Folge lautet: rechts vorn und links hinten gleichzeitig – Schwebephase – links vorn und rechts hinten gleichzeitig – Schwebephase.
Fußen dagegen die Beine einer Seite gemeinsam auf, also links vorn mit links hinten, ist das kein Trab, sondern Pass.
Leichttraben auf dem richtigen Fuß: In der Reitbahn stehst du auf, während das innere Hinterbein und das äußere Vorderbein nach vorn schwingen, und setzt dich wieder, wenn dieses Beinpaar auffußt.
- rechts vorn und links hinten gleichzeitig
- Schwebephase
- links vorn und rechts hinten gleichzeitig
- Schwebephase
Galopp: Dreitakt mit Schwebephase
Der Galopp ist ein Dreitakt mit einer deutlichen Schwebephase. Ein Galoppsprung besteht aus drei Hufschlägen; danach sind alle vier Beine in der Luft, bevor der nächste Sprung beginnt.
Im Rechtsgalopp fußt zuerst das linke Hinterbein auf. Danach landen gleichzeitig das rechte Hinterbein und das linke Vorderbein – das diagonale Paar bildet den zweiten Takt. Als letztes fußt das rechte Vorderbein auf, dann folgt die Schwebephase. Kurz: links hinten – rechts hinten und links vorn gleichzeitig – rechts vorn – Schwebephase.
Wird der Galopp sehr schnell, wie im Renngalopp, fußen die Beine des diagonalen Paars nicht mehr gleichzeitig auf. Dann hörst du vier einzelne Hufschläge statt drei.
- links hinten
- rechts hinten und links vorn gleichzeitig
- rechts vorn
- Schwebephase
Rechtsgalopp, Linksgalopp und Handgalopp
Ob ein Pferd im Rechts- oder Linksgalopp springt, erkennst du daran, welches Beinpaar weiter vorgreift. Im Rechtsgalopp greifen die rechten Beine weiter nach vorn; das rechte Vorderbein greift am weitesten vor, fußt aber als letztes auf. Im Linksgalopp ist es umgekehrt: Hier greifen die linken Beine weiter vor.
- Handgalopp: Das Beinpaar, das zur Bahnmitte zeigt, greift weiter vor. Auf der rechten Hand ist das der Rechtsgalopp, auf der linken Hand der Linksgalopp.
- Außengalopp (Kontergalopp): Du galoppierst bewusst auf der „falschen“ Hand, also zum Beispiel auf der rechten Hand im Linksgalopp.
- Kreuzgalopp: Vorn und hinten galoppiert das Pferd auf verschiedenen Seiten. Das ist ein Fehler, kein gewollter Galopp.
- Galoppwechsel: Beim einfachen Galoppwechsel parierst du zum Schritt durch und galoppierst nach wenigen Schritten auf der anderen Hand neu an. Beim fliegenden Galoppwechsel springt das Pferd in der Schwebephase um, ohne Schritt- oder Trabtritte dazwischen.
Takt: das Gleichmaß der Bewegung
Takt meint das räumliche und zeitliche Gleichmaß der Tritte und Sprünge: Sie sind gleich weit und folgen in gleichen Zeitabständen. Im taktreinen Trab zum Beispiel hörst du die beiden Hufschläge der Diagonalen in gleichmäßigem Abstand. Werden die Abstände unregelmäßig, geht der Takt verloren.
Der Takt gehört zur Gangart und soll auch dann gleich bleiben, wenn das Pferd die Tritte verlängert oder verkürzt. Ein Pferd, das eilig wird, macht schnellere, kürzere Tritte und kann dabei den Takt verlieren – das ist ein Fehler, keine Verstärkung.
Tempi: vom versammelten bis zum starken Tempo
Innerhalb jeder Gangart gibt es verschiedene Tempi. Im Trab und im Galopp unterscheidet man das Arbeitstempo, das Mitteltempo, das starke Tempo und die versammelte Form. Unterscheiden lassen sie sich vor allem an der Länge der Tritte und Sprünge.
- Arbeitstrab: Das Pferd trabt fleißig, aber nicht eilig, und die Hinterhufe fußen mindestens in die Spur der Vorderhufe.
- Mittelschritt: Das Pferd schreitet im klaren Viertakt und nickt dabei natürlich mit dem Kopf. Die Hinterhufe fußen über die Spur der Vorderhufe hinaus; man nennt das Übertreten.
- Mitteltempo und starkes Tempo: Das Pferd verlängert Tritte oder Sprünge aus der Hinterhand, im Mitteltempo deutlich, im starken Tempo so weit es kann. Der Takt soll dabei gleich bleiben.
- Versammlung: Tritte und Sprünge werden kürzer und erhabener, im versammelten Galopp bleibt der klare Dreitakt erhalten.
Mehr zur Reitbahn, zu Hufschlag und Handwechsel findest du bei den Bahnfiguren mit Skizzen. Wer den Umgang mit dem Pferd vom Boden aus lernt, findet Fragen dazu beim Pferdeführerschein Umgang.
Häufige Fragen zu den Gangarten
Welche Gangart ist ein Viertakt, welche ein Zweitakt und welche ein Dreitakt?
Im Viertakt läuft der Schritt, im Zweitakt der Trab und im Dreitakt der Galopp. Im sehr schnellen Renngalopp werden aus dem Dreitakt vier Hufschläge.
Wie ist die Fußfolge im Schritt?
Die Hufe fußen einzeln nacheinander auf, ohne Schwebephase. Beginnst du links hinten zu zählen, lautet die Folge links hinten – links vorn – rechts hinten – rechts vorn.
Welche Beine fußen im Trab gleichzeitig auf?
Im taktreinen Trab fußt jeweils ein diagonales Beinpaar gleichzeitig auf, zum Beispiel rechts vorn zusammen mit links hinten. Zwischen den beiden Diagonalen liegt jeweils eine kurze Schwebephase.
Mit welchem Bein beginnt der Galoppsprung im Rechtsgalopp?
Mit dem linken Hinterbein. Die Folge lautet links hinten – rechts hinten und links vorn gleichzeitig – rechts vorn – Schwebephase. Das rechte Vorderbein greift am weitesten vor, fußt aber als letztes auf.
Woran erkennst du in der Bahn den Handgalopp?
Im Handgalopp greift das Beinpaar, das zur Bahnmitte zeigt, weiter nach vorn. Greift das äußere Beinpaar weiter vor, ist es Außengalopp.
Diese Seite ist eine eigene, vereinfachte Darstellung von Hufschlag und keine offizielle Veröffentlichung eines Verbands oder einer Prüfungsorganisation. Maßgeblich für Unterricht und Prüfung sind deine Ausbilderin oder dein Ausbilder und die zuständige Prüfungsstelle. Alle Skizzen sind eigene Zeichnungen.